Private Jugendhilfeträger kritisieren mangelnde Wertschätzung gegenüber Erziehern durch das Bildungsministerium

Potsdam, 8.3.2012

Bei der Umsetzung der Inklusion in Brandenburg werden lerntherapeutische Angebote offenbar nicht als Unterstützung angesehen. Das Brandenburger Bildungsministerium (MBJS) entwertet die Arbeit der Fachkräfte in den speziellen Jugendhilfeeinrichtungen.

In einem Klartext-Beitrag des rbb vom 29.02.2012 unterstellt das Brandenburger Bildungsministerium, dass Kinder in Jugendhilfeeinrichtungen nur mit problematischen Jugendlichen und Therapeuten zusammen sind und keine Freunde finden. Mit der Normalität hätte das nichts zutun. „Die Aussagen des Bildungsministeriums verdeutlichen eine mangelnde Wertschätzung und Anerkennung gegenüber den Fachkräften der Jugendhilfe, sowie ihrer schweren und herausfordernden therapeutischen Arbeit, die sie täglich leisten“, kritisiert Jochen Sprenger, Vorsitzender des Landesverbandes privater Jugendhilfeträger in Brandenburg (VPK). Hintergrund ist die Umsetzung der Inklusion in Brandenburg. Eine spezielle und individuelle lerntherapeutische Förderung verhaltensauffälliger Kinder durch die Jugendhilfe scheint den Vorstellungen des MBJS zu widersprechen. „Das Bildungsministerium setzt auf gemeinsamen Unterricht, was wir prinzipiell auch unterstützen. Verhaltensauffällige Kinder brauchen aber für eine bestimmte Zeit besondere Angebote, damit auch sie erfolgreich lernen können“, so Sprenger weiter. Das Ziel jeder lerntherapeutischen Jugendhilfemaßnahme ist deshalb, die anvertrauten Kinder für ein normales Leben und die Regelschule wieder fit zu machen. Denn Auffälligkeiten im sozial-emotionalen Bereich führen insbesondere in der Schule zu Problemen. Bei ca. jeder vierten Hilfe zur Erziehung werden schulische Problemlagen als Ursachen benannt (laut des Statistischen Bundesamtes ca. 21 Prozent im Jahr 2010), wobei nicht alle Kinder ihre ursprüngliche Schule verlassen. Kommen sie in der Regelschule aber nicht zurecht, werden diese Kinder nun mit ihrem Problem allein gelassen, wenn die Jugendhilfe nicht als Unterstützung wirken kann.

„Hier müssen die Interessen der Kinder und ihrer Familien, hinter den politischen Interessen zurück stehen. Bevor spezielle Angebote abgeschafft werden, ist es zunächst notwendig, die Regelschulen mit den personellen und finanziellen Ressourcen auszustatten. Sonst verlieren wir diese Kinder, weil sie keine Hilfe erhalten“, gibt Jochen Sprenger zu bedenken.

Die Hilfen für Kinder und Jugendliche werden am besten durch die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung der Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe wirksam. Dem widerspricht die Entwertung der Arbeit zahlreicher pädagogischer und therapeutischer Fachkräfte in den Brandenburger Jugendhilfeeinrichtungen durch das MBJS. „An der Brandenburger Inklusionsstrategie sind private Jugendhilfeträger nicht beteiligt, obwohl bei ihnen jahrzehntelange Erfahrungen mit vergleichbaren Ansätzen bestehen“, so Jochen Sprenger abschließend. Der VPK appelliert an die Verantwortlichen im Bildungsministerium, eine gemeinsame Strategie zu verfolgen, die im Interesse der Kinder und ihrer Eltern liegt.