Der „Bericht der Landesregierung zu den Auswirkungen der bundes- und landesrechtlichen Regelungen auf die Unterbringung, Versorgung und Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer im Land Brandenburg“ beschreibt Aufgaben und Herausforderungen, mit denen bereits umgegangen wird und solche, bei denen noch Handlungsbedarf vorliegt. Er wurde im Februar 2018 veröffentlicht.

Anfängliche Schwierigkeiten durch fehlende Erfahrung und Kapazitäten entwickelten sich schnell mit der Herausforderung neuer Aufgabenfelder, der Bereitschaft zur Hilfe und der Kooperation auf allen Ebenen der Jugendhilfe. Es wurden Unterbringungsmöglichkeiten und Handlungsrichtlinien sowie Angebote, auch über die Volljährigkeit hinaus, geschaffen. Außerdem wurden Fortbildungsmöglichkeiten für die Qualifizierung von Fachpersonal gefördert. Auf Grund zeitlicher und personeller Ressourcen konnten diese jedoch nur ein Teil der Fachkräfte annehmen. Weitere Barrieren in der Arbeit sind nach wie vor sprachliche Verständigkeit, vor allem im Bereich therapeutischer Angebote, aber auch im Schul- und Bildungssystem. Außerdem mangelt es an der Unterstützung von Fachanwälten zur Klärung rechtlicher Fragen, insbesondere in Bezug auf das Asylverfahren. Die Dauer und Durchführung dessen wird außerdem als zusätzliche psychische Belastung kritisiert.

Als zentrale Handlungsbedarfe im Umgang mit Minderjährigen sind genannt:

  • Verbesserung der Begleitung der Jugendlichen im Asylverfahren
  • Emotionale Entlastung und psychosoziale Unterstützung auch für „Nicht-Sprachfähige“
  • Gezielte Gestaltung interkultureller Begegnungen
  • Integration in Berufsbildung und Arbeitswelt, berufliche Orientierung und Qualifizierung
  • Weiterentwicklung der Wohnformen und Verselbstständigkeitsprozesse

Zusätzlich fordert die FHP in ihrer Studie „Unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Brandenburg, Evaluation der Unterbringungssituation unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter im Land Brandenburg mit Schwerpunkt auf die subjektive Sicht der Jugendlichen“ folgende Handlungsbedarfe:

  • Weiterentwicklung von Qualitätszirkeln zum Austausch und zur Vernetzung aller Fachkräfte und Beteiligten, besonders im ländlichen Raum
  • Anpassung des Bildungsweges auf die Ressourcen der jungen Menschen (Berücksichtigung und Förderung der Sprachkenntnisse, Fachunterricht in Muttersprache)
  • Gezielt interkulturelle Begegnungen im Schul- und Ausbildungskontext und Sozialraum
  • Ermöglichung differenzierter Wege der Arbeitsmarktintegration ((höhere) Schulabschluss, Praktika, Freiwilligendienste

Quelle: https://www.parlamentsdokumentation.brandenburg.de/starweb/LBB/ELVIS/parladoku/w6/drs/ab_8100/8135.pdf#search=%22%22


Robert Kühr

Robert Kühr

Robert Kühr hat Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin studiert und ist Referent des VPK Brandenburg. Er berät und unterstützt private Träger der Kinder- und Jugendhilfe und organisiert deren persönlichen und fachlichen Austausch im Netzwerk des VPK in Brandenburg.